Spannung I

Allein dieses Wort. Spannung. Was ist überhaupt Spannung? Auf Federn kann Spannung sein, ebenso wie auf Muskeln. Jeder ist angespannt, wenn er gleich ein Vorstellungsgespräch oder ein Date hat. Schwitzige Handflächen, nervöses Zittern, Herzflattern.

Kann man es denn mit einem Roman schaffen, den Leser in dieselbe Hysterie wie vor dem entscheidenden Elfmeter seiner Lieblingsmannschaft zu versetzen? Verdammt nochmal, ja!

Was es dazu braucht?

Erstens: Konflikte. 

Sie sind die großen Zahnräder im Mechanismus der Geschichte, die sie am Laufen halten. Dabei unterscheidet man in zwei Arten von ihnen: äußere und innere. Zunächst einmal etwas zu den äußeren Konflikten, die sich am leichtesten erklären lassen. Als Beispiel nehme ich hier mal die „Star Wars“-Saga (natürlich nur die alte Trilogie, über die Jar-Jar-Binks-verseuchte neue breiten wir den Mantel des Schweigens. Please, Mr. Abrams, don’t fuck it up!). Zum einen ist die Science-Fiction-Opera jedem geläufig, der auch nur mal in die Nähe eines Fernsehers gekommen ist, zum anderen sind es nun mal sehr klassische, sehr gute Geschichten.

Was für Konflikte gibt es also in „Star Wars“? Zum Beispiel in der Episode „Das Imperium schlägt zurück“? Lasst uns mal überlegen … Darth Vader verfolgt die Helden Luke, Han Solo und Leia. Luke will nicht wahr haben, dass der dunkle Sith sein Vater sein soll. Han Solo hat immer wieder Zwistigkeiten mit Lando Calrissian und Leia. Luke streitet sich mit Yoda, der denkt, dass er noch nicht für eine Konfrontation mit Vader bereit ist. Han Solo wird von seinen Schulden und somit von seiner Vergangenheit eingeholt, repräsentiert vom Kopfgeldjäger Boba Fett. Okay, das sind jetzt – mal nachzählen – allein fünf Konflikte und noch längst nicht alle.

Äußere Konflikte sind beispielsweise die Jagd Vaders auf die Helden, die Streitereien innerhalb der Gruppe, die Lebensgefahr, in der sie allgegenwärtig schweben. Also alles Sachen, die von außen kommen. All das erzeugt Spannung. Daraus sollte man jetzt aber nicht ableiten, dass man seinen Roman mit ständigen Verfolgungsjagden und Schießereien vollkleistern muss. Äußere Konflikte finden auf mehreren Ebenen statt, die Figuren werden unterschiedlich bedroht: Ihr Leben, ihr sozialer Status, ihre Freiheit, ihre Finanzen, ihr Job, etc. Das lässt sich gut an der Maslowschen Bedürfnishierarchie darstellen, die vielleicht ein paar aus der Psychologie kennen. Sie zeigt an, was wir am allermeisten brauchen, um eine gewisse Zufriedenheit erlangen zu können.

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Okay, seht ihr diese Pyramide? Jetzt stellt euch vor, sie steht für euren Hauptcharakter. Greift im Laufe der Handlung so viele Ebenen seiner Pyramide wie möglich an. Lasst ihn hungern, lasst ihn Durst leiden, verpasst ihm Schlafmangel. Raubt ihm jegliche Sicherheit, was seinen Wohnort und seinen Arbeitsplatz angeht. Verwickelt ihn in heftige Wortgefechte und tiefe Gräbenkämpfe mit seiner großen Liebe, seinen Freunden und lasst ihn seine soziale Position einbüßen. Und, natürlich, lasst ihn zweifeln, verzweifeln, sich schämen, trauern, sich minderwertig fühlen.

Damit wären wir auch gleich bei der zweiten Art von Konflikten, den inneren. Das hängt eng mit der Charakterentwicklung zusammen, mit der ich mich im Folgenden auch noch befassen möchte. Im Laufe der Handlung sollten eure Figuren eine Wandlung durchlaufen. Das macht sie interessant und das zeigt auch, dass die Ereignisse nicht einfach an ihnen vorbeiziehen. Auch hier ist wieder die Sternenkrieg-Saga ein gutes Beispiel. Über den Verlauf der drei Teile entwickelt sich Luke von einem recht naiven Bauernjungen zu einem abgeklärten Jedi-Ritter. Wenn das nicht mal eine Wandlung ist. Dabei durchläuft er eben mehrere innere Konflikte. Er muss den Tod seines Mentors Obi-Wan verkraften, sich mit Vader auseinandersetzen und – der innere Konflikt schlechthin – sich zwischen der guten und der dunklen Seite der Macht entscheiden. Wenn ihr eine erste Idee für eine Geschichte habt und aus ihr einen Plot entwerfen wollt, dann nutzt dazu Konflikte. Überlegt euch erst den größten Konflikt, dann geht immer weiter ins Detail.

Also, was hilft noch bei der Entstehung von Spannung? Dazu benutze ich mal die selbstentworfenen Begriffe „Grundspannung“ und „Erwartungsspannung“.
Was es mit diesen auf sich hat, erfahrt ihr im zweiten Teil zum Thema Spannung. Stay tuned!

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